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Alzeyer Zeitung vom 30.09.2002

Pechvogel mit Batikhemd und Denkerhut
Die Komödie "Nie allein daheim" hatte Premiere im Gerry-Jansen-Theater
...Viele herzhafte Lacher

Mit zwei schnell zusammengerührten Kochbüchern ist er zu Geld gekommen, nun versucht sich Eugen Trombosi an seinem ersten Roman seit fünf Jahren schon. Mit Batikhemd, Kniestrümpfen und seinem Denkerhut sitzt er vor der Schreibmaschine.
Aber er will einfach nicht kommen, der erste Satz.


Schreibblockade!

Die einzigen, die kommen, sind ungebetene Gäste und das ausgerechnet an seinem Geburtstag.

Aber welches Chaos bald ausbricht, das weiß der Pechvogel, um den sich in dem neuen Gerry-Jansen-Stück "Nie allein daheim" alles dreht, noch nicht. Vorläufig füllt der komische Vogel Lothar Wirth als Möchtegern- Schriftsteller Eugen allein die Bühne.
Acht Jahre ist Lothar Wirth jetzt bei dem Alzeyer Theater. Seine Rollen bekommt er meist von Theaterleiter und Regisseur Gerry Jansen auf den Leib geschrieben, und im Grunde sind es immer Variationen des liebenswerten Chaoten. Aber es wird einem nie langweilig, ihm zuzusehen. Sein Gesicht mit der markanten Nase erinnert an einen freundlichen, zerknautschten Adler, die
Stimme ist ein wenig rau und krächzend…
Ob er auch ernste Rollen spielen kann?
Das Alzeyer Publikum kann zumindest keinen Nachteil darin sehen, dass im Gerry-Jansen-Theater nur Komödien gespielt werden: Es amüsiert sich prächtig.

Denn auch das neueste Stück aus Gerry Jansens Feder ist für viele herzhafte Lacher gut. Das liegt nicht nur an Lothar Wirth, sondern auch an Peter Weber, der als Schornsteinfeger Ewald Kreuzbuckel die "Mundflatulenz" kultiviert hat: Er spricht, als hätte man ein Maschinengewehr mit einem Wal gekreuzt. Trude Knörl macht als Brunhilde von Schwanenstein mit ihrem österreichischen Schmäh Christiane Hörbiger Konkurrenz, und Carola von Klass überzeugt in einer Doppelrolle als Miss Wischmopp und Grande Dame.
Der Chef selbst, Gerry Jansen, ist Dr. Norbert Feger, der blitzschnell vom Haifischlächeln zum tuntigen Tai-Tai wechselt.

Wichtiger aber ist seine Rolle als Stückeschreiber: Schöne Einfälle sind drin in "Nie allein daheim", schräge Gags und viel Tempo. Wenn Eugen Trombosi Norbert und Ewald mit dem Schwert durch die Kulissen jagt, ist "Conan der Barbar" nichts dagegen. Auch die männlichen Ballerinen Lothar Wirth und Peter Weber sind ein Attentat auf die Augen eines jeden Ästheten. Wer das alles aushalten kann, wird heilfroh sein, nicht allein daheim vor der Glotze geblieben zu sein…


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Alzeyer Wochenblatt vom 3.10.2002

"Nie allein daheim"
Warum "liebe" Menschen das verhindern…

ALZEY (ua) - Alle wollen ihm helfen, ihm Gutes antun, dem zweitklassigen Schriftsteller Eugen Trombosi (Lothar Wirth). Doch der will das gar nicht, weil er sich freut, dass seine Tochter Eva und die seit sieben Jahren geschiedene Ehefrau eine Woche auf Mallorca verbringen.
Allein daheim sein, das ist der Traum von Eugen, der ihm von "lieben" Mitmenschen so richtig verdorben wird…
Da ist die neue Nachbarin Angela Kusswut (Carola von Klaß), die ihn mit Plüschtier und Sekt überraschen will, dann der Schwiegersohn in Spe Dr. Norbert Feger (Gerry Jansen). Er will ungestört die Gelegenheit nutzen, seinen künftigen Schwiegervater mal in Ruhe kennen zu lernen, was bei diesem jedoch einen Ohnmachtsanfall nach dem anderen auslöst.
Zu allem Überfluss quartiert sich auch noch die ExSchwiegermutter und Opernsängerin Brunhilde von Schwanenstein (Trude Knörl) für die besagte "alleinige" Woche ein, weil sie sich nicht vorstellen kann, dass "Eugen-Bubile" allein zurecht kommt.

Der wehrt sich vehement, sogar mit Einsatz eines Schwertes. Letztendlich ist er machtlos…
Unterstützt werden diese vom zufällig herein schneienden Kaminkehrer Ewald Kreuzbuckel (Peter Weber), der so seinen eigenen Kampf auszufechten hat, weil er an "Mundfatulenz" leidet.

Die Krankheit äußert sich in Prusten in allen passenden und unpassenden Momenten. Als selbst ernannter Psychologe auf Grund eines Fernstudiums versucht er, sich selbst und andere, vor Allem Eugen, zu heilen. Doch der will nicht, versucht sich als Hund namens Caligula, um ungebetene Gäste los zu werden und verschlimmert das ohnehin eingetretene Chaos, das weder der Charme des Schwiegersohnes noch die Arien der Opernsängerin-Schwiegermutter verhindern können. Ob und wie das alles entwirrt wird, können alle erfahren, die sich die Komödie ansehen…

Seit acht Jahren gibt es das Gerry Jansen-Theater in Alzey. Gerry Jansen hat immer neue Ideen für immer neue Komödien, denn sie sind die "kultivierte Form der Schadenfreude", sagt er. Viel wichtiger ist, dass sie das Publikum so herzhaft zum Lachen bringen, Menschen und Ereignisse übertrieben skurril darstellen, aber so, dass sie über das, was sie aus dem eigenen Alltag kennen, lachen können.
Und das tut einfach gut…

 


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