Alzeyer Zeitung vom 24.04.2001
Gerry Jansen feiert mit „Just (fast) married" Premiere
Von unserer Mitarbeiterin Anke Gersie
Eine wahrhaft fürstliche Hochzeitssuite ist es, die das berühmte
Hotel „Zum jauchzenden Lukullus" den Heiratswilligen zu bieten hat.
Mit Kussmund grüßt das Sofa, die Stühle zeigen sich herzig, und Rosen allerorten
machen das Bild perfekt.
Rhonja Tüpfel ist begeistert. Zusammen mit Vater Ignaz ist sie angereist, um
die Nacht vor dem Gang zum Altar gemeinsam mit Bräutigam Robert Rosenohr in
der romantischen Suite zu verbringen.
Dass hinterher alles ganz anders kommt, als sich Rhonja das so denkt, lässt
der Titel der neuesten Komödie des Gerry-Jansen-Theaters „Just (fast) married"
schon vermuten.
Vor ausverkauftem Haus wurde Premiere gefeiert.
Die Lacherfolge im Publikum waren eindeutig, dieses Stück aus Gerry Jansens
Feder ist ein Volltreffer des Komödienfachs.
Er selbst gab zu, dass durchaus autobiographische Züge vorhanden seien...
Und trotz der Tatsache, dass der Mime erst eine Woche vor der Premiere Vater
eines Sohnes geworden war, stand er als Robert Rosenohr, dem am Vortag seiner
Hochzeit nichts erspart bleibt, auf der Bühne.
Warum hat Robert auch ausgerechnet seinen Freund Bertram Poupelinopoulous, genannt
Bacchus (Rüdiger Schade), als Trauzeugen auserkoren?
Dem trotteligen Liebhaber lukullischer Genüsse geht so ziemlich alles schief.
Seine Begeisterung für Essbares wirft ihn und alle Beteiligten von einem bizarren
Abenteuer ins nächste und strapaziert die Lachmuskeln der Zuschauer.
Rhonja Tüpfel (Dagmar Nieß) kann sich nur schwer für Freund Bacchus erwärmen,
vor allem, als sein Interesse an Boxkämpfen nicht mal vor dem Schlafzimmer des
Brautpaars halt macht. Immerhin bleibt sie von seinen Annäherungsversuchen verschont.
Denen ist allerdings Hotelbesitzerin Agathe Rochen (Carola von Klaß) ausgesetzt,
ein „Backfisch" in fortgeschrittenem Alter, der zunächst nur eine Liebe
kennt: die zu Rauhaardackel Othello, der ständig verschwunden ist.
Auch Ignaz Tüpfel (Lothar Wirth) hat es schwer. Nicht nur, dass er seine Tochter
an einen ihm noch unbekannten jungen Mann verlieren soll, der Zukünftige seiner
Rhonja zeichnet sich vor dem ersten Treffen durch Unpünktlichkeit aus.
Was Ignaz, der außer Vater auch Statistiker ist, dazu animiert, seiner Tochter
zahlenmäßige Nachweise zu liefern, die Hochzeit doch besser sein zu lassen...
.
So perfekt die Vorbereitungen für die Hochzeit von „Maultäschle", alias
Rhonja, und „Spätzle", alias Robert, auch waren - durchzuführen sind sie
nicht.
Vielleicht liegt es daran, dass die beiden die falschen Utensilien mitgebracht
haben...
Wochenblatt Alzey vom 26.04.01
Just (fast) married
Wer heiratet hat's schwer, denn erstens kommt es anders und zweitens...
ALZEY (gs) Mit dem Heiraten ist das so eine Sache ! Die einen
wollen gerne, aber keiner will mit ihnen, die anderen haben den passenden Partner
gefunden, aber wollen den Bund fürs Leben nicht eingehen.
Dass selbst dann, wenn der Partner und auch der Wunsch, vor den Altar zu treten,
vorhanden sind, das Hochzeitsfest bis ins Detail geplant ist und nur noch eine
einzige Nacht die Liebenden vom Jawort trennt, alles schief gehen kann, beweist
derzeit das Gerry Jansen Theater.
„Just (fast) married" heißt die neue Komödie, die seit vergangenem
Samstag über die Bühne geht.
Ein Stück, das eindrucksvoll klar macht, wie gefährliches sein kann, Hunde,
Trauzeugen und Väter bei den Hochzeitsplanungen nicht unter Kontrolle zu haben.
Auch wenn Gerry Jansen, dessen reger Phantasie die rasante Verwechslungskomödie
- wieder einmal - entsprungen ist, autobiographische Züge nicht ausschließen
konnte, hat er es im vergangenen Sommer letztlich doch geschafft: Seine Herzensdame
ist längst seine Frau und just eine Woche vor der Premiere Mutter eines gesunden
Jungen geworden...
Ob das den Protagonisten auf der Bühne auch gelingt?
Zu Beginn scheint alles dafür zu sprechen.
Die Unterbringung in der Hochzeitssuite des Hotels „Zum jauchzenden Lukullus"
ist perfekt.
Rhonja Tüpfel (Dagmar Nieß), die angehende Ehefrau, ist entzückt. Zusammen
mit Papa Ignaz (Lothar Wirth) bekommt sie von Hotelbesitzerin Agathe Rochen
(Carola von Klaß) Whirlpool, Wasserbett und den romantischen Salon präsentiert.
Bräutigam Robert Rosenohr (Gerry Jansen) und Trauzeuge Bertram Poupelinopoulous,
genannt Bacchus (Rüdiger Schade) lassen allerdings auf sich warten.
Kein gutes Omen, wie Ignaz, der Statistiker, meint und macht mit Zahlenbeispielen
klar, wie unzuverlässig und hinterhältig Ehemänner zuweilen sind...
Seinem Hunger und den lukullischen Gelüsten von Bachus, der samt werdendem Ehemann
Robert dann doch eintrifft, ist es zu verdanken, dass die traute Romantik einen
gewaltigen Riss bekommt.
Nichts ist, wie es sein soll, keiner der, der er zu sein scheint und selbst
Othello, der Rauhaardackel, trägt zu den Verwirrungen bei.
Dass Männer und Hunde Gemeinsamkeiten haben, ist schon längst klar. Wie ähnlich
sie sind, wird erst im Zusammenhang mit Agathes Erdbeeren deutlich.
Die Zuschauer erfahren außerdem, dass Gesang nicht nur mit der Stimme klangvoll
sein kann.
Sie lernen, Eheringe und Hochzeitstorten möglichst getrennt voneinander aufzubewahren
und bekommen demonstriert, dass auf die Wahl des Trauzeugen besonderes Augenmerk
gelegt werden sollte.
Mit gezielten Angriffen auf die Lachmuskeln, diversen Anzüglichkeiten und schau
spielerischen Höchstleistungen bietet das Gerry Jansen-Theater mit „Just (fast)
married" einmal mehr eine Komödie vom Feinsten.