Alzeyer Zeitung vom 1.10.1998
Liebe, Stolz und Midlife-crisis
Lachsalven feuern Schauspieler des Gerry Jansen Theaters an / Premiere "Hurra, ein Mädchen!"
hb. - Bei der
Premiere des neuen Stückes "Hurra, ein Mädchen!" im Gerry
Jansen Theater tanzte nicht nur buchstäblich der Bär, es riss auch
die Zuschauer von ihren Sitzen.
Frenetischer Applaus im mehr als ausgebuchten
Saal und "standing ovations" quittierten die Top-Leistung des Ensembles.
Alles war "frisch" bei dieser Premiere, sowohl die Texte des Autors
und Regisseurs Gerry Jansen als auch das von Markus Klingenberg "auf den
letzten Drücker" fertiggestellte Bühnenbild.
"Wenn die Schauspieler
sich heute etwas beschmieren, liegt es daran, dass die Wand gerade erst gestrichen
worden ist", entschuldigte sich der Gründer des Theaters...
Selbst wenn es so war, hat es bei der Turbulenz dieser "nervenaufreibenden
Komödie über das Leid der Männer" wohl kaum ein Zuschauer
bemerkt. Lothar Wirth durchlebt in der Rolle des Zahnarztes Harald Schweitzer
sämtliche "Freuden" der Vaterschaft.
Er torkelt, tobt und liebt
sich mit einer solchen Intensität durch das bis zum Ende spannende Stück, dass man sich bei seinen mit heftigen Bodenkontakten verbundenen
mehrfach erlittenen "Herzattacken" ernsthaft um den Zustand seiner
Knochen sorgen könnte.
Anlass für die wechselnden Gefühle und
Gesichtsfarben von Schweitzer ist seine Tochter Jenny, erfrischend kindlich
gespielt von Iris Krause.
Nach einem Jahr Auslandsstudium ist aus der wohlbehüteten
"kleinen Prinzessin" eine junge Frau geworden, die ihren Vater nicht
nur
mit einem Lebensgefährten konfrontiert, sondern auch noch mit der Tatsache,
dass sie schwanger ist.
Vorsorglich hat sie - obgleich erst in der dritten Woche
- ihre Freundin und Gynäkologin Svenja Svereson alias Beate Rummel mitgebracht.
Diese trifft Schweitzer mit bissigen Kommentaren ins ohnehin malträtierte
Herz ...
Auch für Jennys Freund Thomas Heinzelmann
(Gerry Jansen) ist die so überraschend offenbarte Vaterschaft in spe ein
harter Schlag.
Der frischgebackene Psychologe sieht seine angestrebte Karriere
in Gefahr und entzieht sich zunächst der Verantwortung.
Carola von Klass
brilliert in der Rolle der Gaby, Jennys Stiefmutter.
Auch für diese hält
das Stück um Eifersucht, Liebe, Stolz und Midlife-Crisis eine große
Überraschung bereit.
Von Lachsalven der Zuschauer angefeuert, steuerte
die Uraufführung prestissimo dem Höhepunkt entgegen...
Gerry Jansen und seine Crew waren von den Beifallsstürmen des Premierenpublikums
überwältigt.
"So eine Reaktion vom Publikum hatten wir hier noch
nie", freute er sich und bedankte sich unter andrem bei Gerdy Bohrmet,
die ihm als Regieassistentin hilfreich zur Seite stand.
Der Förderverein
des Gerry Jansen Theaters beglückwünschte das Team zur gelungenen
Darbietung ...
"Hurra, ein Mädchen!"
ist ein Muss für alle, die ihre Lachmuskeln wieder einmal so richtig strapazieren
wollen.
Alzeyer Wochenblatt vom 1.10.1998
Harald im Chaosland
Über das neue Stück im Gerry Jansen-Theater
ALZEY (ua)
- Wenn ein Mädchen heiratet, tauscht es die Aufmerksamkeiten vieler Männer
gegen die Unaufmerksamkeit eines einzigen ein.
Nicht so bei Jenny. Sie hat nach
wie vor die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Vaters...
Aber meistens benehmen sich vergötterte Töchter nicht so, wie
es der Vater wünscht.
Anders geht es auch Papa Harald nicht, denn seine
Tochter, für die er alles tut, ist plötzlich schwanger, und zwar von
einem "Heinzelmännchen", das der Vater zunächst nur im Alkoholdelirium
zu sehen glaubt.
So beginnt das neue Stück im Gerry Jansen-Theater, das
am vergangenen Samstag Premiere hatte.
Die Schauspieler aus dem bekannten Ensemble,
Carola von Klass, Beate Rummel, Lothar Wirth, Gerry Jansen und neu dabei Iris
Krause, strapazieren in dieser Komödie "Hurra, ein Mädchen"
wieder die Lachmuskeln des Publikums...
Turbulent geht es zu, und
der Zahnarzt Harald mit Schwiegersohn Thomas haben nicht nur eine Schwangerschaft
zu ertragen.
Komisch, charmant und mit viel Spaß erleben die Zuschauer
das Werden und die "Geburten" von Vätern.
Nervenaufreibend für
werdende Väter, denn ihre Gefühlsskala wird von oben bis unten durchgespielt:
Schock, Diskussion über Abtreibung, Freude, Streß beim Kinderkriegen
- all das erleben die Zuschauer live mit.
Herzattacken, Nervenzusammenbrüche
und Versöhnungen pflastern des werdenden Vaters Weg.
Und wenn Papa Harald
zum Schluß warnend den Zeigefinger hebt und bei der Entbindung von Zuschauerinnen
dabei sein möchte, um zu sagen "Hurra, ein Mädchen", dann
sollte er folgendes bedenken:
Erst wenn man genau weiß, wie die Enkel
ausgefallen sind, kann man beurteilen, ob man die Kinder gut erzogen hat
- was
er bei seiner Tochter verwirklicht zu haben glaubt.